Auf der Berliner Country-Messe sind sie schon so etwas wie Stammgäste, in Norwegen haben sie sich in den
vergangenen Jahren eine stattliche Fangemeinde erspielt. Die Musiker der Recklinghäuser Band Desert Style
schicken sich an, die (Country-) Welt zu erobern. Auch in Nashville/Tennessee, der Heimat der Country-Musik,
haben die Sechs jetzt ordentlich für Furore gesorgt.
Sängerin Heidi Hofmann und ihre Jungs haben in einer Woche in den USA mehr erlebt und erreicht als manch
andere Hobby-Band in ihrer ganzen Karriere. Sie haben Stars der Szene getroffen, mit einflussreichen Leuten
zusammengearbeitet und – ganz nebenbei – zwei Stücke für ihre erste eigene CD aufgenommen. „Kurz
gesagt: Es war von vorne bis hinten gut“, schwärmt Keyboarder Martin Steinke. Der Trip, der eigentlich als
reine Lustreise geplant war, entwickelte sich zur einzigartigen Erfolgsgeschichte – Fortsetzung keinesfalls
ausgeschlossen.
Aber der Reihe nach: Per Zufall hatte Uli Wedding, ehemaliger Bassist der Band, der gelegentlich noch mal
aushilft, ausgerechnet an einer Hotelbar in Garmisch-Partenkirchen Andrew Harkin, einen Iren aus New York,
getroffen. Man kam ins Gespräch, Uli Wedding berichtete von den Reiseplänen der Band und Harkin, der schon
als Bassist für die „Dixie Chicks“ und Elton John gearbeitet hat, sprach sofort eine Einladung an Desert Style
aus, doch einmal nach Nashville zu kommen. Es sollte nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben. Nach unzähligen
Telefonaten und E-Mails war der Tennessee-Trip festgezurrt.
„Durch diesen Zufall der Begegnung an der Hotelbar sind wir plötzlich in einer Liga gelandet, in die wir sonst
nie hineingekommen wären“, kann Gitarrist Uwe Schilling sein Glück immer noch nicht fassen. In Nashville
wurde Desert Style bereits erwartet – bei „Treetop Recording“, dem Aufnahmestudio von Michael Bonagura.
Der hatte in den 80er- und 90er-Jahren mit der Gruppe „Baillie and the Boys“ selbst einige Top-Ten-Hits und
wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Sein Studio vor den Toren Nashvilles wird von vielen Größen der
Szene wie etwa Keith Urban genutzt und ist offiziell gar nicht zu buchen. Das Besondere ist die familiäre
Atmosphäre, denn „Treetop“ befindet sich im privaten Anwesen von Bonagura – „eine voll verkabelte Ranch“,
erzählt Schlagzeuger Gerd Lambertz. „Als Nobody kommt man in solche Studios gar nicht rein – und uns
wurde quasi der rote Teppich in der allerersten Abteilung ausgerollt“.
Doch es sollte noch besser kommen. Bei den Aufnahmen zu den neuen Songs stellte Bonagura den
Recklinghäusern einen älteren Herren mit grauen Locken als Co-Produzenten vor. Der entpuppte sich als kein
Geringerer als Dave Rowland, der in den 70ern als Mitglied des legendären „Stamps Quartet“ Background-
Sänger von Elvis Presley war. „Unfassbar“ sagt Gerd Lambertz. „Am Dienstag waren wir noch in ‚Graceland’ in
Memphis, wo Elvis gelebt hat, und am Mittwoch steht sein ehemaliger ‚Backing-Vocal’ vor uns.“ Rowland ließ
sich nicht lange bitten – er half Bonagura nicht nur beim Abmischen der Stücke, sondern griff auch selbst zum
Mikro. Diesmal nicht für den „King“, sondern für den Desert Style-Sänger Toddy Saalmann.
Am Rande der Studioarbeit auf der Ranch, die sich an drei Tagen bis weit nach Mitternacht hinzog, trafen die
Musiker auch auf die Country-Größe Paulette Carson. Im typischen Südstaaten-Restaurant „Barbara’s“ lief
ihnen Brad Paisley – seine Hits, die regelmäßig in den US-Charts ganz oben landen, gehören seit jeher zum
Repertoire der Band – über den Weg. Über Bonagura und Rowland kamen die Recklinghäuser mit einem ihrer
Idole ins Gespräch – und mit dessen Schwager, dem Eiskunstlauf-Olympiasieger von 1984, Scott Hamilton.
„Der Respekt, den uns all diese Leute entgegengebracht haben, war beeindruckend“, sagt Toddy Saalmann.
Die Befürchtung Desert Style als New-Country-Band aus Recklinghausen könnte in der Heimat der Country-
Musik allenfalls mitleidig belächelt werden, erfüllte sich nicht. Im Gegenteil: Michael Bonagura, der
angesehene Produzent, war voll des Lobes: „Ihr braucht keine Sessionmusiker, ihr klingt als Gruppe
zusammen einfach super“, schreib er ihnen ins Stammbuch. Lediglich zweimal setzte er bei der Aufnahme
Gitarrenunterstützung ein. „Offenbar hat es ihm richtig Spaß gemacht, einer kleinen deutschen Band ein
bisschen Anschub zu geben”, sagt Heidi Hofmann. „Wir hatten den Eindruck, als ob wir uns schon Jahre
kennen würden. Irgendwie sind wir wohl seelenverwandt.“ Denn der Studio-Boss – und dafür ist ihm Desert
Style unendlich dankbar - hat sogar angeboten, der Band weitere 20 bis 25 Stücke aus seiner Feder für die
neue CD zur Verfügung zu stellen. Verbunden mit der Einladung, diese Lieder doch in 2011 wieder bei ihm in
Nashville aufzunehmen. Und dann könnten die Musiker auch gleich auf seiner Ranch übernachten . . . .
Bilder aus Nashville finden Sie hier. 
Quelle: Recklinghäuser Zeitung
Desert Style